Stille und Dunkelheit.
Das Licht flackert kurz auf. Dann ein Grollen und Knallen. Für eine
Millisekunde wird das Zimmer blitzartig erleuchtet.
Klingt wie der Anfang
einer schlechten Horrorgeschichte? Ihr könnt beruhigt aufatmen. Ist nämlich nur ein Gewitter, welches einen gewöhnlichen
Stromausfall mit sich bringt. Zum Glück bin ich mit vollem
Netbookakku ausgestattet. Die Kleinen sind
schon im Bett und die Großen lernen mal wieder bis in die Puppen. Da
ich heute Abend mal ausnahmsweise nicht das Bedürfnis habe todmüde
ins Bett zufallen, nutze ich die Gelegenheit um euch auf den
neusten Stand der Dinge zu bringen. Da schießt mir unmittelbar der
gleiche Gedanke wie so oft in den Kopf: Wo anfangen und wie den
ganzen Eindrücken gerecht werden?
Deshalb beschränke ich
mich mal auf ein relativ aktuelles Ereignis, das für mich persönlich
etwas ganz besonderes war. Meine erste indische
Geburstags-”Überraschungs”-Party.
Wir schreiben Sonntag,
den 13.Oktober 2013. Es ist 17 Uhr. Nachdem wir den halben Tag mit
den Mädels gebastelt und getanzt haben werde ich mit den Worten “You
go! Take some rest, sister.” liebevoll ins Zimmer geschoben.
Hmmmmmm, was ist denn hier los? Wollen die Mädchen heute etwa kein
Radfahren? Und wieso soll Janina sich nicht ausruhen? Seeehr
merkwürdig.
Da sich jedoch die letzten Tage schon einige Mädchen verplappert haben und Yasotha heute ganz beiläufig erwähnt hat, dass wir ab 17 Uhr kein Programm mit den Mädels machen können, weil dann für meine Überraschungsparty dekoriert werden soll, ahne ich natürlich schon worum es geht. Seit ein paar Tagen sind die Mädchen nun schon total aufgeregt und erinnern mich mehrmals täglich daran, dass ich bald Geburtstag habe. Tatsächlich haben sie es geschafft mich mit ihrer Aufregung anzustecken und in den 4 Stunden, die ich brav im Zimmer absetzte, steigt meine Aufregung. Immerhin steht mein erster und vielleicht einziger indischer Geburtstag bevor.
Da sich jedoch die letzten Tage schon einige Mädchen verplappert haben und Yasotha heute ganz beiläufig erwähnt hat, dass wir ab 17 Uhr kein Programm mit den Mädels machen können, weil dann für meine Überraschungsparty dekoriert werden soll, ahne ich natürlich schon worum es geht. Seit ein paar Tagen sind die Mädchen nun schon total aufgeregt und erinnern mich mehrmals täglich daran, dass ich bald Geburtstag habe. Tatsächlich haben sie es geschafft mich mit ihrer Aufregung anzustecken und in den 4 Stunden, die ich brav im Zimmer absetzte, steigt meine Aufregung. Immerhin steht mein erster und vielleicht einziger indischer Geburtstag bevor.
| Während ich brav im Zimmer warte wird unten dekoriert |
Als ich
dann zum Essen gerufen werden, kichern die Mädchen verschwörerisch,
wenn sich unsere Blicke treffen. Nach dem Essen überlegen Janina und
ich noch, ob wir bis 12 Uhr wach bleiben wollen. Da wir allerdings
doch etwas erschöpft sind (Janina vom Dekorieren und ich vom ... Ausruhen), entscheiden wir uns zunächst dazu in meinen Geburtstag "rein zu schlafen". Das Angebot von Murugeshwari und Deepa, zwei der
älteren Mädchen, mir ein Mehndi zu malen, kann ich dann allerdings
doch nicht abschlagen. Zu indischen Feierlichkeiten darf diese
traditionelle Körperbemalung nämlich nicht fehlen. Die beiden
Mädchen sind noch dazu so talentiert, dass sie jeden professionellen
Mehndi-Designer in den Schatten stellen. Deshalb heißt es nun 1
½ Stunden still sitzen und den Arm hoch halten damit das Kunstwerk
dem Perfektionismus der ehrgeizigen Murugeshwaris gerecht wird.
| Jetzt muss das fertige Kunstwerk nur noch trocknen |
Mit einem Blick auf die Uhr stellen wir fest, dass es in 15 Minuten auch schon 12 Uhr ist. Jetzt lohnt es sich natürlich auch nicht mehr schlafen zugehen. Als der Countdown beginnt versammeln sich alle Mädchen, die noch wach sind, um mich um zu singen. “Happy Birthday” gefolgt von “Happy long life” gefolgt von “Wie schön, dass du geboren bist” wird angestimmt. Kurze Zeit später falle ich mit einem Lächeln im Gesicht ins Bett.
Am nächsten Morgen werde ich von einem “Sisteeeer!” geweckt. Ich schaue neben mich, doch Janina ist wohl schon unten. Also rolle ich mich aus dem Bett und gehe zur Tür. Vor mir stehen Nithya, Punitha, Nandini und Arulakshmi, vier der jüngeren Mädchen, und begrüßen mich mit einem "Wish you happy birthday!". Ich werde aufgefordert mich zu Feier des Tages in Schale zuwerfen und einen Half-Sari zutragen. Zum Glück kommt Yasotha mir zur Hilfe, da meine Fähigkeiten einen Sari zu binden noch zu wünschen übrig lassen.
Auf dem Weg nach unten rieche ich schon den Duft von Waffeln, der unmittelbar ein Heimatgefühl bei mir auslöst. In der Küche sind einige der Mädchen und Janina schon fleißig am wirken.
Auf dem Weg nach unten rieche ich schon den Duft von Waffeln, der unmittelbar ein Heimatgefühl bei mir auslöst. In der Küche sind einige der Mädchen und Janina schon fleißig am wirken.
| Janina backt Waffeln für rund 30 hungrige Münder |
Auf die Frage, ob ich mithelfen kann werde ich mit den Worten, dass es noch einige Zeit dauern kann, ich aber an meinem Geburtstag nicht mithelfen soll, weggeschickt. Zum Glück sind gerade einige Mädchen dabei sich fertig zu machen, sodass ich mir die Zeit mit Haare flechten vertreiben kann.
Eine Stunde später bindet Punitha mir kichernd einen Schal um die Augen und Janina führt mich nach draußen.
In einem bunt dekorierten Raum werde ich von den Mädchen, Sankar, Seetha und einigen Mitarbeiter in Empfang genommen. Es gibt Zuckersüße Geburtstagstorte, mit der ich, ganz nach indischer Tradition, von jedem gefüttert werde. Waffeln mit Nutella und einige indische Süßspeisen werden verteilt, es wird wieder gesungen und die Mädchen lassen mich sogar schwungvoll, wie in alten Grundschulzeiten, hochleben.
Nach der Feier ziehe ich mich erst mal um – ich bewundere die indischen Frauen, die jeden Tag den, im Alltag doch eher unpraktischen, Sari tragen.
Den Rest des Tages wird immer wieder von den übrig gebliebenen Waffeln und Süßigkeiten genascht, während wir Tänze und ein Theaterstück für den Besuch, der in der kommenden Woche kommen soll, einstudieren. Später geht es auf den sogenannten “ground”, ein Sandplatz, auf dem wir fast täglich mit den Mädchen Radfahren und spielen.
Hier ein paar Eindrücke davon:
Radfahren
|
| Der Ball hat seinen Einsatz als Baseball leider nicht überstanden |
Das Wetter hat sich mittlerweile etwas beruhigt. Janina schläft schon tief und fest und sogar die Mädchen, die bis eben noch draußen ihre Texte für die Schule auswendig gelernt haben, sind jetzt im Bett. Dann sollte ich jetzt wohl auch mal wirklich schlafen gehen.
In diesem Sinne: Gute Nacht!
(Rike)