Samstag, 30. November 2013

Deepavali, Halloween & ein Laternenumzug

Puuuuh, wenn ich mir das Datum von unserem letzten Blogeintrag anschaue, denke ich mir nur: „Wie kann es sein, dass schon wieder vier Wochen vorbei sind?!“  Manchmal ist es schon fast beängstigend, wie schnell die Zeit davonrennt, vor allem jetzt, da wir sehr mit unserer Dokumentationsarbeit in Pollachi beschäftigt sind. Rike kümmert sich um den Dokumentationsfilm über das HIV-Projekt von NMCT und ich verfasse Lebensgeschichten von Menschen bzw. Familien, die von HIV/ Aids betroffen sind und von NMCT unterstützt werden. Rike hatte ja bereits von unseren Hausbesuchen und Erfahrungen in Pollachi berichtet.

Was wir in den letzten Wochen außer unserer Dokumentationsarbeit sonst noch gemacht haben bzw. was hier im Abhaya Students Shelter so passiert ist, erfahrt ihr jetzt:

Happy Deepavali!!!


Bei Diwali (Hindi) bzw. Deepavali (Tamil), was übersetzt so viel wie „Weg des Lichts“ bedeutet, handelt es sich um ein hinduistisches Fest. Die Menschen feiern an diesem Tag den Sieg des Guten über das Böse bzw. des Lichts über die Dunkelheit. Deepavali ist eines der bedeutendsten Feste der hinduistischen Kultur und wird folglich in ganz Indien würdig zelebriert.
Schon Wochen vor dem eigentlichen Feiertag wurden überall Plakate angebracht mit der Aufschrift: „Happy Deepavali!“, Lichterketten schmückten die riesigen Kaufhäuser, Saris und Churidars wurden zu reduzierten Preisen und indische Süßigkeiten wie Sand am Meer angeboten.  Es gehört nämlich zur Tradition, an Deepavali neue Klamotten zu tragen und sich gegenseitig Süßigkeiten zu schenken. Kein Wunder also, dass die Einkaufsstraßen und Geschäfte zu dieser Zeit extrem überfüllt waren.
Mit Unterstützung anderer NGOs veranstaltet NMCT jedes Jahr zu Deepavali eine ganz besondere Feier für Familien, die von HIV/ Aids betroffen sind. Dieses Jahr fand diese Feier eine Woche vor dem eigentlichen Feiertag, am 27. Oktober 2013 in Tirupur statt. Es wurden u.a. Reden gehalten, Süßigkeiten und neue Klamotten an die Kinder verteilt sowie Tanz- und Gesangsvorführungen aufgeführt.


Geschenke!!!








Auch die Mädchen im Abhaya Students Shelter wurden von Spendern mit neuen Outfits und Süßigkeiten beschenkt und freuten sich natürlich sehr darüber.





Drei der kleineren Mädels mit ihren neuen, schicken Outfits


Am Vorabend von Deepavali fing das große Feiern richtig an. Es wurden viele bunte Feuerwerke entzündet und verschiedene Knaller bzw. Böller auf die Straßen geschmissen. Wir haben also unser Silvester schon vorgefeiert, nur, dass das Ganze ungefähr fünfmal so laut und zehnmal so wild war als bei uns in Deutschland.


Punitha hat keine Angst...




Rike und ich wurden an diesem Abend von unserem Direktor Sankar uns seiner Frau Seetha zum Essen eingeladen. Beide kommen ursprünglich aus dem Bundesstaat Kerala, gekocht wurde also keralisch. Es gab Gerichte, von denen wir noch nie zuvor etwas gehört hatten, die uns aber mindestens genauso gut schmeckten wie tamilisches Essen.
Am nächsten Morgen, also dem eigentlichen Feiertag, bestrich Seetha unsere Stirn mit Öl. Dadurch segnen ältere Menschen ihre jüngeren Familienmitglieder oder Freunde und wünschen ihnen eine glückliche, zufriedene Zukunft. Nach dem Baden bzw. Duschen werden 
schließlich die neuen Klamotten eingeweiht.


Drillinge?! Rike, Sri (Sankar und Seethas Tochter) mit unseren neuen Churidars




In diesem Sinne noch ein verspätetes „Happy Deepavali“ nach Deutschland! :-)


Halloween-Grusel-Abend & St. Martinsumzug


Wir lernen hier ständig neue Dinge über die indische bzw. hinduistische Kultur. Dinge, die uns faszinieren und die wir nicht so schnell vergessen werden. Daher wollten wir den Mädchen im Abhaya Students Shelter auch mal etwas von der westlichen Welt bzw. Kultur näherbringen.
Zunächst einmal haben wir ihnen etwas zum Hintergrund des Gruselfests erzählt und anschließend gemeinsam einen Halloween-Grusel-Abend vorbereitet. Dazu haben wir ganz traditionell Kürbisse ausgehöhlt (da wir nicht genügend orangefarbene Kürbisse auftreiben konnten, gab es bei uns dieses Jahr auch grüne), Kürbischutney aus dem Fruchtfleisch zubereitet, Gruselteelichter und Masken gebastelt, Halloweenmusik gehört und uns gegenseitig Gruselgeschichten erzählt.  Ein besonderer Abend mit Gruseleffekt und jeder Menge Spaß war garantiert! :-) 


...und Bethamal beim Kürbisaushöhlen 
Manju...

Leeeecker, Kürbischutney!
Ein Fledermaus-Teelicht





Der Halloween-Grusel-Abend kann beginnen!

„Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.“…

Diese Zeilen kommen jedem bekannt vor. Sie stammen aus einem Kinderlied, das beim Laternenumzug am St. Martinstag gesungen wird. Auch wir haben uns überlegt mit den Mädchen Laternen zu basteln und durch die Straßen zu ziehen. Einige der älteren Mädchen hatten bereits zwei Jahre zuvor Laternen mit den ehemaligen Freiwilligen gebastelt und wussten ungefähr, wie das Ganze funktioniert. Für die Kleinen bzw. „Neuen“ hingegen war es das erste Mal und dadurch natürlich umso spannender und aufregender.
Jedes der Mädchen bastelte seine eigene, individuelle Laterne und verzierte sie mit Herzen, Sternen, Früchten, Kerzen und, und, und. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und die Ergebnisse konnten sich auf jeden Fall sehen lassen.

Leider konnten wir nicht direkt am 11.11., dem eigentlichen St. Martinstag, durch die Straßen ziehen, da wir in der Woche vom 11.-16. November auf dem Zwischenseminar, dem sog. „Midterm-Workshop“ im KKID waren. Dieses Seminar gab uns Gelegenheit dazu, unsere ersten Monate in Indien zu reflektieren, aber auch uns mit den anderen Freiwilligen über gesammelte Erfahrungen auszutauschen bzw. Erfahrungen zu teilen. Außerdem haben wir einiges gelernt, u.a. über Entwicklungszusammenarbeit oder kulturelle Unterschiede, sowie helfende und interessante Gespräche über Erwartungen und Enttäuschungen geführt. Nun aber wieder zurück zu unserem verspäteten Laternenumzug. Nach unserer Rückkehr ins Abhaya Students Shelter, wo 21 Mädchen strahlend auf uns zu rannten und uns herzlich in die Arme schlossen, bastelten wir die fehlenden Laternen fertig. Da hier aber momentan Regensaison ist und das Wetter leider alles andere als gut war, mussten wir noch einige Tage warten, bevor wir endlich starten konnten.

Wir zündeten die Teelichter an, befestigten die gebastelten Laternen an Stöcken und liefen los. Menschen auf den Straßen schauten uns neugierig hinterher, als wir anfingen die zuvor einstudierten Lieder zu trällern: „Ich geh‘ mit meiner Laterne…“ oder „Laterne, Laterne, Sonne Mond und Sterne…“. Der Weg führte uns zu einer Ziegelsteinfabrik, wo wir von den Mitarbeitern und deren Familien herzlich empfangen wurden. Es wurde gespielt und anschließend gemeinsam zu Abend gegessen. Danach mussten wir auch schon wieder aufbrechen, um nicht allzu spät im Abhaya anzukommen.




"Hey Zulu, attention!" Eines der Lieblingsspiele unserer Mädels 

Es war schön, gemeinsam mit so vielen Menschen zur Abwechslung mal keine indische, sondern eine „deutsche function“ zu feiern. Dadurch konnten wir ihnen zumindest einen kleinen Teil aus „unserer Welt“ zeigen.

Ich sende euch ganz liebe und sonnige Grüße ins kalte Deutschland! 

(Janina)

1 Kommentar:

  1. Lage hatte es von euch keinen Blogeintrag geben. Das lasst darauf schließen, wie viel Arbeit und Stress ihr in euren letzten Monaten bei NMCT hattet.
    Erholt euch gut beim Ostereiersammeln daheim!

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