Puuuuh, wenn ich mir das Datum von unserem letzten
Blogeintrag anschaue, denke ich mir nur: „Wie kann es sein, dass schon wieder vier
Wochen vorbei sind?!“ Manchmal ist es
schon fast beängstigend, wie schnell die Zeit davonrennt, vor allem jetzt, da
wir sehr mit unserer Dokumentationsarbeit in Pollachi beschäftigt sind. Rike
kümmert sich um den Dokumentationsfilm über das HIV-Projekt von NMCT und ich
verfasse Lebensgeschichten von Menschen bzw. Familien, die von HIV/ Aids
betroffen sind und von NMCT unterstützt werden. Rike hatte ja bereits von
unseren Hausbesuchen und Erfahrungen in Pollachi berichtet.
Was wir in den letzten Wochen außer unserer
Dokumentationsarbeit sonst noch gemacht haben bzw. was hier im Abhaya Students
Shelter so passiert ist, erfahrt ihr jetzt:
Happy Deepavali!!!
Bei Diwali (Hindi) bzw. Deepavali (Tamil), was übersetzt so
viel wie „Weg des Lichts“ bedeutet, handelt es sich um ein hinduistisches Fest.
Die Menschen feiern an diesem Tag den Sieg des Guten über das Böse bzw. des
Lichts über die Dunkelheit. Deepavali ist eines der bedeutendsten Feste der
hinduistischen Kultur und wird folglich in ganz Indien würdig zelebriert.
Schon Wochen vor dem eigentlichen Feiertag wurden überall Plakate
angebracht mit der Aufschrift: „Happy Deepavali!“, Lichterketten schmückten die
riesigen Kaufhäuser, Saris und Churidars wurden zu reduzierten Preisen und
indische Süßigkeiten wie Sand am Meer angeboten. Es gehört nämlich zur Tradition, an Deepavali
neue Klamotten zu tragen und sich gegenseitig Süßigkeiten zu schenken. Kein
Wunder also, dass die Einkaufsstraßen und Geschäfte zu dieser Zeit extrem
überfüllt waren.
Mit Unterstützung anderer NGOs veranstaltet NMCT jedes Jahr
zu Deepavali eine ganz besondere Feier für Familien, die von HIV/ Aids
betroffen sind. Dieses Jahr fand diese Feier eine Woche vor dem eigentlichen
Feiertag, am 27. Oktober 2013 in Tirupur statt. Es wurden u.a. Reden gehalten,
Süßigkeiten und neue Klamotten an die Kinder verteilt sowie Tanz- und Gesangsvorführungen aufgeführt.
![]() |
| Geschenke!!! |
Auch die Mädchen im Abhaya Students Shelter wurden von
Spendern mit neuen Outfits und Süßigkeiten beschenkt und freuten sich natürlich
sehr darüber.
| Drei der kleineren Mädels mit ihren neuen, schicken Outfits |
Am Vorabend von Deepavali fing das große Feiern richtig an.
Es wurden viele bunte Feuerwerke entzündet und verschiedene Knaller bzw. Böller
auf die Straßen geschmissen. Wir haben also unser Silvester schon vorgefeiert,
nur, dass das Ganze ungefähr fünfmal so laut und zehnmal so wild war als bei
uns in Deutschland.
| Punitha hat keine Angst... |
Rike und ich wurden an diesem Abend von unserem Direktor Sankar
uns seiner Frau Seetha zum Essen eingeladen. Beide kommen ursprünglich aus dem
Bundesstaat Kerala, gekocht wurde also keralisch. Es gab Gerichte, von denen
wir noch nie zuvor etwas gehört hatten, die uns aber mindestens genauso gut
schmeckten wie tamilisches Essen.
Am nächsten Morgen, also dem eigentlichen Feiertag, bestrich
Seetha unsere Stirn mit Öl. Dadurch segnen ältere Menschen ihre jüngeren
Familienmitglieder oder Freunde und wünschen ihnen eine glückliche, zufriedene Zukunft.
Nach dem Baden bzw. Duschen werden
schließlich die neuen Klamotten eingeweiht.
| Drillinge?! Rike, Sri (Sankar und Seethas Tochter) mit unseren neuen Churidars |
In diesem Sinne noch ein verspätetes „Happy Deepavali“ nach Deutschland! :-)
Halloween-Grusel-Abend & St. Martinsumzug
Wir lernen hier ständig neue Dinge über die indische bzw.
hinduistische Kultur. Dinge, die uns faszinieren und die wir nicht so schnell
vergessen werden. Daher wollten wir den Mädchen im Abhaya Students Shelter auch
mal etwas von der westlichen Welt bzw. Kultur näherbringen.
Zunächst einmal haben wir ihnen etwas zum Hintergrund des
Gruselfests erzählt und anschließend gemeinsam einen Halloween-Grusel-Abend
vorbereitet. Dazu haben wir ganz traditionell Kürbisse ausgehöhlt (da wir nicht genügend orangefarbene Kürbisse auftreiben konnten, gab es bei uns dieses Jahr auch grüne),
Kürbischutney aus dem Fruchtfleisch zubereitet, Gruselteelichter und Masken
gebastelt, Halloweenmusik gehört und uns gegenseitig Gruselgeschichten erzählt. Ein besonderer Abend mit Gruseleffekt und
jeder Menge Spaß war garantiert! :-)
| ...und Bethamal beim Kürbisaushöhlen |
| Manju... |
| Leeeecker, Kürbischutney! |
| Ein Fledermaus-Teelicht |
| Der Halloween-Grusel-Abend kann beginnen! |
„Ich geh‘ mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.“…
Diese Zeilen kommen jedem bekannt vor. Sie stammen aus einem
Kinderlied, das beim Laternenumzug am St. Martinstag gesungen wird. Auch wir
haben uns überlegt mit den Mädchen Laternen zu basteln und durch die Straßen zu
ziehen. Einige der älteren Mädchen hatten bereits zwei Jahre zuvor Laternen mit
den ehemaligen Freiwilligen gebastelt und wussten ungefähr, wie das Ganze
funktioniert. Für die Kleinen bzw. „Neuen“ hingegen war es das erste Mal und
dadurch natürlich umso spannender und aufregender.
Jedes der Mädchen bastelte seine eigene, individuelle
Laterne und verzierte sie mit Herzen, Sternen, Früchten, Kerzen und, und, und.
Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt und die Ergebnisse konnten sich auf
jeden Fall sehen lassen.
Leider konnten wir nicht direkt am 11.11., dem eigentlichen
St. Martinstag, durch die Straßen ziehen, da wir in der Woche vom 11.-16.
November auf dem Zwischenseminar, dem sog. „Midterm-Workshop“ im KKID waren.
Dieses Seminar gab uns Gelegenheit dazu, unsere ersten Monate in Indien zu
reflektieren, aber auch uns mit den anderen Freiwilligen über gesammelte Erfahrungen
auszutauschen bzw. Erfahrungen zu teilen. Außerdem haben wir einiges gelernt,
u.a. über Entwicklungszusammenarbeit oder kulturelle Unterschiede, sowie
helfende und interessante Gespräche über Erwartungen und Enttäuschungen
geführt. Nun aber wieder zurück zu unserem verspäteten Laternenumzug. Nach
unserer Rückkehr ins Abhaya Students Shelter, wo 21 Mädchen strahlend auf uns
zu rannten und uns herzlich in die Arme schlossen, bastelten wir die fehlenden
Laternen fertig. Da hier aber momentan Regensaison ist und das Wetter leider
alles andere als gut war, mussten wir noch einige Tage warten, bevor wir
endlich starten konnten.
Wir zündeten die Teelichter an, befestigten die gebastelten
Laternen an Stöcken und liefen los. Menschen auf den Straßen schauten uns
neugierig hinterher, als wir anfingen die zuvor einstudierten Lieder zu
trällern: „Ich geh‘ mit meiner Laterne…“ oder „Laterne, Laterne, Sonne Mond und
Sterne…“. Der Weg führte uns zu einer Ziegelsteinfabrik, wo wir von den
Mitarbeitern und deren Familien herzlich empfangen wurden. Es wurde gespielt
und anschließend gemeinsam zu Abend gegessen. Danach mussten wir auch schon
wieder aufbrechen, um nicht allzu spät im Abhaya anzukommen.
| "Hey Zulu, attention!" Eines der Lieblingsspiele unserer Mädels |
Es war schön, gemeinsam mit so vielen Menschen zur Abwechslung mal keine indische, sondern eine
„deutsche function“ zu feiern. Dadurch konnten wir ihnen zumindest einen kleinen Teil aus „unserer Welt“ zeigen.
Ich sende euch ganz liebe und sonnige Grüße ins kalte Deutschland!
(Janina)

Lage hatte es von euch keinen Blogeintrag geben. Das lasst darauf schließen, wie viel Arbeit und Stress ihr in euren letzten Monaten bei NMCT hattet.
AntwortenLöschenErholt euch gut beim Ostereiersammeln daheim!